Vierte Punktelos-Niederlage in Serie:
An der Ausgangslage verändert sich nicht viel.
Die SCL Tigers verlieren auch gegen Gottéron knapp, aber ohne Punktgewinn. Sie wirken im ersten und im ersten Teil des Schlussdrittels zögerlich, zu wenig entschlossen und verunsichert. Der Wille ist ungebrochen, aber wenn die Langnauer an ihrer Verfassung nichts ändern können, wird dies nichts mit dem Play In.
Die Choreo der Langnau-Fans zu Ehren der Meisterhelden von 1976. Anmerkung: noch immer hängt keine Nummer eines dieser Cracks der erfolgreichsten Phase in der Geschichte des SC Langnau unter dem Hallendach. Bild: Susanne Bärtschi
Vor Beginn der Partie gedachten die Fans mit einer schönen Choreo den Helden von 1976, als die damals noch SC Langnau heissende Organisation noch ein Verein und noch keine Aktiengesellschaft war. An der Entschlossenheit der damaligen Cracks, welche unsere heutigen Helden in der aktuellen Saison auch schon häufiger unter Beweis gestellt haben, sollten sie sich orientieren. Doch daran mangelt es derzeit.
Das erste Drittel war von Langnauer Seite durchsetzt mit vielen kleinen Fehlern, die den eigenen Spielfluss hemmten und die manchmal – völlig unbemerkt – auch Einfluss auf das Spielgeschehen hatten. Ich spreche jetzt absichtlich nicht von Szenen, die zu Gegentoren führten. Das wurde in anderen Medien wohl ausreichend getan. Ich nenne ein Beispiel, worum es mir geht. Erstes Drittel, Überzahlspiel der SCL Tigers: Das Powerplay der Emmentaler läuft gut. Die verteidigenden vier Freiburger sind bereits seit geraumer Zeit auf dem Eis und ihre Beine beginnen sauer zu werden. Der perfekte Zeitpunkt also, den Druck auf deren Tor zu erhöhen und die Situation zu nutzen. Da will Jiri Felcman, völlig unbedrängt, ein Zuspiel zu einem ebenfalls völlig unbedrängten Mitspieler an der blauen Linie spielen. Er spielt den Pass aber so, dass dieser völlig unerreichbar war, das gegnerische Drittel verlies und einem Befreiungsschlag ähnlich bis weit ins eigene Drittel schlitterte. Gottéron konnte frische Spieler bringen und die Gelegenheit war vertan. Jiri Felcmann ist sonst einer der Aktivposten in der Langnauer Mannschaft. Es kommt nicht von Ungefähr, dass er im Powerplay eingesetzt wird. Fehler sind menschlich und Eishockey lebt auch von Fehlern. Dass der sonst passsichere Felcman einen solchen Fehler begeht, dokumentiert die Verunsicherung in der Mannschaft der SCL Tigers.
Das Resultat und sein Zustandekommen sprechen dann auch Bände, wie das Startdrittel lief. Drei Mal agierten die Tiger in Überzahl. Ohne Ertrag. Lediglich zwei Überzahlgelegenheiten hatte Gottéron. Beide wurden sie genutzt. Auffallend auch, wie häufig die Langnauer die Duelle an der Bande verloren. Einfach so ein Detail am Rande.
Im Mitteldrittel dann ein anderes Auftreten der Langnauer. Die kleinen Fehler waren immer noch da, aber der Auftritt war nun entschlossener. Möglich auch, dass Fribourg da etwas nachgelassen hat. Irgendwie logisch dann die Tore von Sean Malone, ebenfalls in Überzahl erzielt (26.) und von Julian Schmutz (39.) zum Ausgleich. Der Auftritt im Mitteldrittel machte grosse Hoffnung, dass es diesmal klappen könnte mit dem Sieg.
Doch mit dieser Hoffnung kehrte auch die Verunsicherung zurück in die Mannschaft von Coach Thierry Paterlini. Ein weiteres Gegentor bei Überzahl des Gegners war die Folge (47.). Der Gamewinner der Fribourger fiel für die Emmentaler unglücklich. Ein Zuspielversuch von Kevin Nicolet findet den Weg via Patrick Petrini ins Tiger Tor.
Erneut mit zwei Treffern im Rückstand legen die Emmentaler ihre Verhaltenheit wieder ab und suchen wieder vehement den Weg zum gegnerischen Tor. Es reicht aber nur für noch für den Anschlusstreffer durch Sean Malone (57.07). Er ist an diesem Abend Doppeltorschütze. Es sind seine ersten beiden Tore seit seiner Rückkehr. Zum Zeitpunkt des Treffers spielen die Langnauer ohne Torhüter. Weil Gottéron die Coaches Challenge nimmt, welche knapp zu Gunsten Langnaus ausgeht, können Letztere noch einmal Überzahl spielen. Sie tun dies erneut ohne Torhüter, also mit sechs gegen vier Feldspieler. Aber sie lassen sich fast die ganze Zeit an der Bande festnageln. Und wir wissen aus dem ersten Drittel: an der Bande sind die Freiburger stärker.
Die Niederlage ist aus Langnauer Sicht weitgehend selbstverschuldet. Ein schwaches Boxplay, eigene Verunsicherung und teilweise mangende Entschlossenheit führten dazu. Gottéron schien nicht unüberwindbar.
Die Folgen
Fast keine. Bern ist nun für das Play In qualifiziert, weil sich der EHC Biel und die SCL Tigers am Samstag noch duellieren und mindestens einer Punkte lassen wird. Kloten und Biel haben ihre Spiele ebenfalls verloren und sind dabei ohne Punkte geblieben. Die Zürcher Unterländer sind zwar noch nicht definitiv aus dem Rennen um das Play In. Aber weil gleich zwei Gegner überholt werden müssen, ist die Sache fast aussichtslos.
Und der EHC Biel und die SCL Tigers? Wenn eine der beiden Mannschaften das Direktduell von morgen Samstag in der regulären Spielzeit gewinnt, ist die Sache klar. Denn der Sieger dieser Partie liegt somit in den Direktbegegnungen vorne und kann nicht mehr von Rang 10 verstossen werden. Der EHC Kloten hat sowohl gegen Biel wie auch Langnau die in dieser Hinsicht schlechtere Bilanz. Die Resultate vom Montag dann keine Rolle mehr. Geht das Spiel jedoch in die Verlängerung, haben wir Spannung bis zuletzt.
Somit könnte eine paradoxe Situation eintreten: Gewinnen die Langnauer die Partie in 60 Minuten, hätten sie sich das Ticket für das Play In mit einem einzigen Sieg in sechs Spielen gesichert. Ein Vollerfolg am Montag gegen Zürich würde die Bilanz zwar auf zwei Siege aufbessern, ist aber dann für die Qualifikation nicht mehr nötig.
