Langnaus grösster Erfolg:
Der Titelgewinn von 1976
Heute ist es auf den Tag genau 50 Jahre her, dass der SC Langnau seinen bisher einzigen Schweizermeister-Titel gewinnen konnte. Wir blicken zurück auf diese Zeit und analysieren, wie es so weit hat kommen können.
Die Meistermannschaft von 1976. Hinterste Reihe v.l.n.r: Peter (Ragulin) Lehmann, Werner (Sössu) Lengweiler, Jürg Lehmann, Bruno Haas, Peter Wüthrich, Simon Schenk, Res Meyer. Mittlere Reihe: Max Liniger (TK-Chef), Jean Cusson (Spielertrainer), Jürg Berger, Alfred Bohren, Fritz Lehmann, Hans (Gstabi Hausi) Wüthrich, Michael (Hori) Horisberger, Rolf Tschiemer, Peter Blaser, Hans Brechbühler (Coach). Vordere Reihe: franz Hebeisen (Materialwart), Ernst Lüthi, Alfred Hutmacher, Edgar (Edi) Grubauer), Michael Horak, Hansruedi (Billy) Tanner, Hein Huggenberger. Bild: aus der SCL Chronik 1947-1981 mit den Fotografen Jakob Menolfi und Hans Wüthrich.
In der ersten Pause des Spiels zwischen den SCL Tigers und den Rapperswil-Jona Lakers wurden zum Anlass des bevorstehenden 50-Jahr Jubiläums des Meistertitels die Helden des SC Langnau von damals gefeiert. Zwar konnten nicht ganz alle anwesend sein. Die beiden Torhüter, Simon Schenk und Hans Wüthrich sind inzwischen verstorben und einige konnten es terminlich nicht richten. Aber der Grossteil der damaligen Mannschaft war da und Captain Fritz Lehmann hatte sogar den Pokal dabei.
Die bei der Feier anwesenden Mitglieder der Mannschaft und des Staffs von 1976. Die beiden Torhüter Edgar Grubauer und Michael Horak, sowie die Spieler Simon Schenk (später auch Trainer, Sportchef u.v.m.) und Hans Wüthrich sind leider verstorben. Andere konnten aus terminlichen Gründen nicht an der Feier teilnehmen.
Was war das für ein Fest, nachdem der SC Langnau am 2. März 1976 den EHC Biel richtiggehend wegputzte und sich selbst zum Schweizermeister kürte. Der Spielplan schien perfekt orchestriert zu sein. Denn es war eine wahre Finalissima, dass in der 28. und letzten Runde der Saison 1975/76 die beiden bestplatzierten Teams, die beide noch hätten Meister werden können, zusammenführte. Die Stimmung war vor der Partie kaum mehr auszuhalten. Schliesslich wussten seit mehreren Tagen alle in Langnau und dem ganzen Emmental, dass es in dieser Saison reichen könnte. Allerdings blieb das Spiel nicht lange spannend. Nach dem ersten Drittel war der Mist praktisch geführt. 4:1 führten die Langnauer da bereits. Hansruedi (Billy) Tanner, zwei Mal Jürg Berger und Michael Horisberger waren die Torschützen. Zu Beginn des zweiten und dritten Drittels steuerten dann auch noch Peter Wüthrich und Meistertrainer Jean Cusson ihre Treffer zum nie gefährdeten 6:3 Erfolg bei. Danach war Feiern angesagt. Das ganze Dorf war auf den Beinen. Es war Freinacht und der Alkohol floss in Strömen. Die Begeisterung über den Titelgewinn war noch Tage später riesig.
Nochmals die Meistermannschaft, gleich nach dem Titelgewinn fotografiert.
Die Vorgeschichte
Trainer hatten es in Langnau nicht immer leicht. Das kam auch der Deutsche Kurt Sepp zu spüren. Der SCL Chronik 1947 – 1981 entnehmen wir: «Im Anschluss an das Abschlusstraining vor dem Kanonalderby gegen den SC Bern fand beim SC Langnau eine Teamsitzung statt, deren Gegenstand eine Aussprache zwischen Trainer Kurt Sepp und seinen Spielern bildete. Im Mittelpunkt standen Umstellungen in der Mannschaft, denen namentlich psychologische Wirkung zugeschrieben wird. Sie entsprachen nicht zuletzt einem kollektiven Wunsch der Spieler, die zuvor an einer eigenen Versammlung in einem objektiv abgefassten Protokoll ihre Vorstellungen formuliert hatten.»
Die Aussprach soll fair abgelaufen sein und man habe sich auf einen Kompromiss geeinigt, ist der Chronik zudem zu entnehmen.
Kurt Sepp war nur eine einzige Saison in Langnau. Unter ihm waren die Emmentaler zeitweilig nahe am Abstieg. Verteidigerlegende Res Meyer adelte den Trainer später trotzdem. In einem Interview mit FANTIGER aus dem Jahre 2011 erzählte er: «Zwar wären wir mit Kurt Sepp fast abgestiegen. Aber von dem, was wir unter ihm gelernt hatten, konnte später Jean Cusson profitieren». Meyer zweifelt daran, dass ohne die Schulung von Kurt Sepp zwei Jahre später der Titelgewinn gelungen wäre.
Hier wird Meistertrainer Jean Cusson von seinen Spielern durch die Ilfishalle gefahren. Mangels einer Sänfte haben ihn Simon Schenk und Werner (Sössu) Lengweiler einfach auf die Schultern gehoben.
Jean Cusson
Der Vertrag mit Kurt Sepp wurde nach nur einer Saison nicht mehr erneuert. Für ihn kam Jean Cusson als Spielertrainer. Der Langnauer Hans Brechbühler übernahm das Coaching. Cusson galt als Reisser, Einfädler und Vollstrecker. Zuvor trainierte er vier Jahre den HC Genf-Servette, mit dem Erreichen des zweiten Ranges (Vizemeister) in der Saison 1970/71 als grössten Erfolg. Schon früh im August traf Cusson mit seiner Familie ein, um seine Spieler optimal vorzubereiten. Bereits in seiner ersten Saison erreichte er den dritten Schlussrang. Es war zugleich die letzte Saison, in welcher in Langnau noch unter freiem Himmel gespielt wurde.
Das Dach über der Kunsteisbahn
Das Dach wurde nötig, weil der Schweizerische Eishockeyverband (damals SEHV, heute SIHF) dies ab der Saison 1976/77 vorschrieb. Doch längst hatte man in Langnau die Vorteile einer Überdachung erkannt. Allen in der Projektierungssaison mussten sechs Meisterschaftsspiele im Regen ausgetragen werden. Zudem musste ein Spiel wegen eines Sturms verschoben werden. Das Wetter liess zu oft einen geregelten Eisbetrieb nicht zu, so dass die Trainings sämtlicher Mannschaften unter schlechtesten Bedingungen stattfinden mussten oder ganz ausfielen. Man rechnete auch mit einem höheren Zuschauerschnitt, wenn alle Spiele im Trockenen ausgetragen würden.
Ein Bild von der Baustelle. Alles war damals noch kleiner. Bild: aus der SCL-Chronik 1947-1981 mit den Fotografen Jakob Menolfi und Hans Wüthrich.
Man erkannte auch, dass ein Dach auch zur Sicherung der Juniorenbewegung unerlässlich wurde. Eine Breitensportentwicklung war nur möglich, wenn sämtliche Trainingsmöglichkeiten ausgenutzt werden konnten. Die Juniorenförderung war für das Überleben des SCL unerlässlich. Man erhoffte sich auch Einsparungen, weil man dank der Überdachung in der Vorbereitung nicht mehr teure auswärtige Trainings organisieren musste, inkl. Hallenmiete und Reisespesen.
Schliesslich wurde aus fünf Projekteingaben eine Holzkonstruktion der in Langnau und Zofingen beheimateten Hallenbau AG ausgewählt. Besonderen Wert legte Bauherrschaft darauf, dass die Halle die Naturlandschaft an der Ilfis nicht stört und dass das einheimische Gewerbe den Bau zu Konkurrenzpreisen erstellen konnte. Zudem sollte die Halle jederzeit ausgebaut werden können.
Finanzierung breit abgestützt
Finanziert wurde das Projekt, welches mit 795'000 Franken budgetiert wurde (wovon 705'000 für den Bau selbst, 5'000 für Gebühren, 50'000 für die Beleuchtung, 10'000 für die Lautsprecheranlage sowie 25'000 für Unvorhergesehenes) mit einem verzinslichen darlehen von 300'000 Franken durch die Gemeinde, 100'000 Franken durch unverzinsliche Obligationen, 20'000 Franken aus dem Sporttoto sowie 375'000 durch Anteilscheine. Zudem wurde das Holz für den Bau gespendet. Sammlungen von Papier, Glas und Alteisen durch Schülerinnen und Schüler wurde die Kasse zusätzlich aufgebessert. Zudem wurde beim Bau viel Fronarbeit geleistet.
Res Meyer (11) und Ernst (Aschi) Lüthi (7) waren zu ihrer Zeit eines der besten, wenn nicht das beste Verteidigerpaar der Schweiz. Beide begannen als Stürmer, wurden dann aber zu Verteidigern umfunktioniert. Ganz offensichtlich mit grossem Erfolg.
Die Meistersaison
Nach dem Erreichen des dritten Platzes in der Vorsaison wollte Jean Cusson diesmal mehr. Nämlich einen Bonus, den der SCL bisher noch nie besass: den Meistertitel. Offensiv, wenn auch diplomatisch etwas verklausuliert, erklärte Cusson diesen zum Ziel. «Es hat keinen Sinn, nach dem letztjährigen dritten Rang, mit dem gleichen, noch verstärkten Spielermaterial für die Saison 1975/76 einen dritten Rang als Ziel zu setzen. Wir wären Dummköpfe, wenn wir in dieser Situation nicht auf den Titel lossteuerten. Das heisst noch nicht, dass wir Meister werden, doch wir können die Meisterschaft gewinnen.» Cusson glaubte auch, dass die Grossen des Schweizerischen Eishockeys nicht stärker geworden sind und dass der SCL in der kommenden Saison jeden Gegner wird schlagen können.
Die 28 Spiele der Saison 1975/76
| Resultat | Zuschauer | |
|---|---|---|
| SCL - Ambri | 3:2 (2:0, 1:2, 0:0) | 4600 |
| Biel - SCL | 3:9 (2:2, 1:3, 0:4) | 9000 |
| SCL - Bern | 5:4 (1:0, 1:2, 3:2) | 5400 |
| La Chaux-de-Fonds - SCL | 7:3 (1:2, 5:1, 1:0) | 6000 |
| SCL - Kloten | 3:4 (2:1, 0:1, 1:2) | 4700 |
| Villars - SCL | 1:4 (0:1, 0:3, 1:0) | 2000 |
| Ambri - SCL | 3:3 (1:1, 1:1, 1:1) | 4500 |
| SCL - Sierre | 6:3 (3:0, 0:2, 3:1) | 4800 |
| Bern - SCL | 3:4 (0:0, 2:0, 1:4) | 16151 |
| SCL- La Chaux-de-Fonds | 8:2 (6:0, 0:0, 2:2) | 5400 |
| SCL - Villars | 4:3 (1:0, 2:1, 1:2) | 4000 |
| Kloten - SCL | 4:7 (2:3, 0:3, 2:1) | 4300 |
| SCL - Biel | 1:7 (0:0, 0:4, 1:3) | 5600 |
| Sierre - SCL | 1:2 (0:2, 0:0, 1:0) | 4800 |
| SCL - Ambri | 11:1 (4:0, 2:0, 5:1) | 4900 |
| Biel - SCL | 5:3 (1:2, 2:1, 2:0) | 9400 |
| SCL - Kloten | 6:0 (3:0. 0:0, 3:0) | 4400 |
| Bern - SCL | 3:3 (0:1, 1:0, 2:2) | 16151 |
| La Chaux-de-Fonds – SCL | 2:2 (0:0, 1:2, 1:0) | 5000 |
| SCL - Villars | 12:1 (4:0, 5:1, 3:0) | 4600 |
| Villars - SCL | 4:1 (1:1, 2:0, 1:0) | 527 |
| Ambri - SCL | 6:3 (1:0, 2:1, 3:2) | 2000 |
| SCL - Sierre | (2:1, 1:0, 2:2) | 5000 |
| Kloten - SCL | 2:5 (0:3, 1:1, 1:1) | 3000 |
| SCL - Bern | 6:2 (1:0, 4:2, 1:0) | 5500 |
| SCL – La Chaux-de-Fonds | 6:2 (1:0, 3:1, 2:1) | 5400 |
| SCL - Biel | 6:3 (4:1, 1:0, 1:2) | 5878 |
Edgar Grubauer hatte grossen Anteil am Meistertitel des SCL. Der begnadetet Torhüter verbrachte seine beste Zeit beim SCL. Später wechselte er zum SC Bern. Er kam ja von rotblau Bern nach Langnau. Auch beim SCB war er sehr gut. Aber so überragend wie in Langnau war er dann doch nicht ganz.
Schlussrangliste Saison 1975/76
| Team | Sp | S | U | V | TD | P |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Langnau | 28 | 18 | 3 | 7 | 132:85 | 39 |
| Biel | 28 | 18 | 0 | 10 | 146:118 | 36 |
| Bern | 28 | 16 | 3 | 9 | 158:92 | 35 |
| La Chaux-de-Fonds | 28 | 15 | 2 | 11 | 139:122 | 32 |
| Sierre | 28 | 11 | 3 | 14 | 121:137 | 25 |
| Ambri | 28 | 10 | 3 | 15 | 90:119 | 23 |
| Kloten | 28 | 11 | 1 | 16 | 110:152 | 23 |
| Villars | 28 | 5 | 1 | 22 | 74:145 | 11 |
Die besten Skorer
| Spieler | Spiele | Tore | Assists | Punkte |
|---|---|---|---|---|
| Jürg Berger | 25 | 20 | 11 | 31 |
| Rolf Tschiemer | 27 | 23 | 7 | 30 |
| Michael Horisberger | 28 | 16 | 8 | 24 |
| Jean Cusson | 28 | 18 | 6 | 24 |
| Simon Schenk | 28 | 12 | 10 | 22 |
| Hans Wüthrich | 28 | 9 | 10 | 19 |
| Fritz Lehmann | 28 | 11 | 5 | 16 |
| Peter Wüthrich | 26 | 6 | 7 | 13 |
| Ernst Lüthi | 28 | 5 | 5 | 10 |
Besonderheiten
Teamgeist: Jean Cusson hob später in seinen Erinnerungen den Teamgeist hervor. So einen Zusammenhalt habe er vor und nachher nie mehr erlebt. Cusson beendete nach dem Titelgewinn sein Engagement in Langnau und wechselte zum HC La Chaux-de-Fonds, war da aber nicht annähernd so erfolgreich (4., 6. Und 7.).
Aufkommende Zweifel: Am 13. Januar 1976 gewann der SCL sein Heimspiel gegen den Tabellenletzten HC Villars gleich mit 12:1. Vier Tage später traten die beiden Mannschaften in Villars wieder gegeneinander an. Diesmal gewann Villars mit 4:1. Nachdem die Langnauer auch das darauffolgende Spiel beim Drittletzten Ambri mit 3:6 verloren, zweifelte man im Emmental am Titelgewinn. Daraufhin gewann aber der SCL seine letzten fünf Spiele, darunter gegen Bern, La Chaux-de-Fonds und Biel.
Nachwuchs: Die glorreichen Jahre des SCL forderten ihren Preis. Der selbstauferlegte Erfolgsdruck verhinderte weitgehend den Einbau junger Spieler, ein Vakuum, das man ab Beginn der 1980er-Jahre zu spüren bekam.
Gegensätze: Der SC Langnau feierte in seiner 1. Saison (1959/60) auf seiner neuen Kunsteisbahn gleich mit dem Gruppensieg, scheiterte dann aber in den Aufstiegsspielen am oberklassigen EHC Visp (1:0 und 2:6). Nach der Errichtung das Hallendachs im Sommer 1975 feierte der SCL seine Eröffnungssaison in der neuen Halle gleich mit dem Titel des Schweizermeisters. Nach der umfassenden und hervorragend gelungenen Sanierung und Ausbau der Ilfishalle (heute emmental versicherung arena) «feierten» die SCL Tigers die Eröffnungssaison mit dem Abstieg in die NLB.
Gestiegene Ansprüche: Nach dem Gewinn der Meisterschaft im Frühjahr 1976 war ein paar Jahre lang nur noch der Titel gut genug. So wurde Normad Beaudin, der einen attraktiven Spielstil pflegte und bei Publikum gut ankam, nach zwei Saisons mit je einem zweiten Rang wegen Erfolglosigkeit nicht mehr weiter beschäftigt.
Meisterschmaus: Es ist Usanz, dass eine Mannschaft nach dem Gewinn eines Schweizermeister-Titels fürstlich essen geht. So war es auch beim SC Langnau. Für die Beteiligten gab es Poulet im Chörbli und Pommes Frites.
Meisterlicher Verdienst. Natürlich wurden die Teammitglieder auch meisterlich entlöhnt (und zwar alle gleich). In der Saison des Titelgewinns verdienten die Amateure des SC Langnau 10'000 Franken (nicht pro Monat, sondern insgesamt). Sie mussten aber trotzdem nicht Hunger leiden, denn jeder von ihnen, mit Ausnahme von Spielertrainer Jean Cusson, der Profi war, ging zu 100 Prozent einer Arbeit nach. Auch Cusson verdiente als Profi nicht so, dass er sich nach seiner Karriere hätte zur Ruhe setzen können. Zusammen mit seinen Brüdern wurde er Wurstfabrikant.
