Nicht nur, aber auch die Lautstärke machts:

Ein Blick auf die Pre-Game Show in Langnau

Pre-Game Shows sollen unterhalten und das Publikum auf das bevorstehende Spiel einstimmen. Aber sie sollen auch beeindrucken. Die SCL Tigers haben in ihren Inszenierungen zeitweise vorwärts gemacht, ohne das Potenzial vollends auszuschöpfen. Zuletzt präsentierte man dem Publikum aber nur noch warme Luft.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Hier liest Sandro Manes auf seine zackige Art die Spieler der SCL Tigers vor. Dies ist ein Teil der Pre-Game Show in Langnau. Manes steht dabei während des ganzen Akts allein auf dem Eis. Kein Spieler betritt währenddessen das Spielfeld. Weshalb eigentlich nicht? Eine verpasste Gelegenheit! Bild: Susanne Bärtschi.

 

9. März 2026, vor der Partie der SCL Tigers gegen die ZSC Lions: Die Pre-Game Show wirkt, als würde man sich in Langnau wegen der schlechten Leistung im Spiel zuvor in Biel schämen. Die Lautstärke der Pre-Game-Show war so niedrig, dass diese gar nicht wahrgenommen wurde. Man konnte währenddessen problemlos in ganz normaler Lautstärke weiterplaudern. Aber das Publikum ist nicht zum „Schämen“ in die Ilfishalle (pardon, die emmental versicherung arena) gepilgert, sondern um die Tiger nochmal siegen zu sehen. Wir befanden uns auch trotz des traurigen Ausscheidens vom Rest, aber auch vom wichtigsten Teil der Meisterschaft nicht in einer Abdankungshalle.

Die Pre-Game Show in Langnau bestand in dieser Saison aus:

  • Das Ablesen der antretenden Spieler des Gegners
  • Ho ho hopp Langnou – Lied von Tinu Heiniger mit einer Präsentation auf dem Videowürfel.
  • Der Text „Wo Leidenschaft Heimat hat“, der Stimme nach ebenfalls gesprochen von Tinu Heiniger (ich habe jedoch nicht nachgefragt, deshalb kann es sich hier um einen Irrtum handeln). Auch dieser Text wird mit einer Präsentation auf dem Videowürfel begleitet.
  • Dem (zackigen) Aufruf der Spieler der SCL Tigers.
  • Der zweiteiligen, wohl KI-generierten Wummer-Musik, bei welcher zuerst die SCL Tigers das Eisfeld betreten, sich an ihrer blauen Linie aufstellen und dann ihren Gegner erwarten.

Als diese Pre-Game Show erstmals gezeigt wurde, dachte ich: Wow. Nicht schlecht für Langnau. Nur schade, dass die Spieler nicht einzeln einlaufen. Vielleicht sogar noch mit etwas Feuer auf dem Eis. Aber die Lautstärke stimmte. Es war laut, aber noch längst nicht so laut wie es beispielsweise in Zug oder Genf ist. Es war wohl, wie im Emmental üblich, immer noch die leisesten Pre-Game-Show der ganzen National League. Aber meines Erachtens laut genug. Wir brauchen ja keine Lautstärke, bei welcher es dem Publikum die Schädeldecken gleich reihenweise weghaut.

Es scheint aber Reklamationen gegeben zu haben. Wenn jemand sein Hörgerät zu laut eigestellt hat, kann auch diese Lautstärke extrem reinhauen. Es dauerte nicht lange, da wurde die Lautstärke systematisch zurückgestellt. Es wurde also immer leiser, bis man sich – ganz zuletzt – eher in einem Altersheim fühlte, kurz bevor die Heilsarmee ein Liedlein anstimmt, als an einem Eishockeyspiel, bei dem es um etwas gehen sollte.

Die Langnauer haben sich innovativ gezeigt, Ideen gehabt und umgesetzt, und damit vor dem Spiel vorwärts gemacht. Noch war nicht alles perfekt. Aber es war ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Weshalb nur lässt man sich wegen ein paar Reklamationen von den guten Plänen abbringen? So, wie das zuletzt lief, geht es gar nicht. Wie erwähnt: das war nur noch warme Luft. Sonst gar nichts. Wer soll denn so in Stimmung kommen? Zudem: Auch diejenigen, die reklamieren, werden sich schnell an die Lautstärke gewöhnen, sofern diese ungefähr auf dem Level bleibt, wie zu Beginn der Saison und die Zustände nicht so werden wie in Zug oder Genf.

Ein Lob an „Chrige“ Nyffeler

Ein Lob noch für den richtigen Einsatz von Stadionspeakerin Christine Nyffeler. Sie beschränkt sich in der Pre-Game-Show auf das Ablesen der gegnerischen Spieler. Perfekt! Für das, was danach kommt, eignet sich ihre neutrale Art des Sprechens nicht. Dafür schätze ich während der Spiele genau diese Art an ihr ganz besonders. Meines Erachtens ist die völlig unterschiedliche Behandlung der beiden Mannschaften durch die Speaker, dann, wenn die Partie läuft, ein Unding. Stadionspeaker sollten keine Animateure sein, zumindest nicht, während das Spiel läuft, sondern neutral und nüchtern die notwenigen Informationen durchgeben. So, wie es „Chrige“ Nyffeler macht. Hier braucht das Gebaren der Konkurrenz nicht übernommen zu werden.