Mental geplättet, hinten löchrig und vorne inexistent:

Langnau mit 1:5 in Biel noch gut bedient

Die SCL Tigers dürfen sich auf frühestmögliche Ferien freuen. Sie verlieren den «Final» um den Einzug ins Play In Biel gleich mit 1:5. Damit dürfen sie in der letzten Runde der Qualifikation noch als Sparingpartner eines der Meisterschaftsfavoriten (ZSC Lions) ran und dürfen frei von der Leber weg spielen. Schade, dass am Sonntag die Reisebüros geschlossen haben.

Spielbericht • • von Bruno Wüthrich

Gut, dass man Ferien auch online buchen kann. Denn wenn man weiss, ab wann man Ferien hat, sollte man keine Zeit verlieren. Aber schwarzer Humor beiseite: das, was die SCL Tigers in Biel geboten haben, war der Play Ins nicht würdig. Es ist gut, dass der Ligaerhalt bereits vorher gesichert war. Nicht ganz vergessen wollen wir, dass uns die Langnauer Eishockeyaner bis hin zur Olympiapause eine tolle Saison geliefert haben. In die letzten sechs Partien nach der Pause winkte sogar eine grosse Chance auf die Play Offs.

Richtig schlecht war in den Spielen nach Olympia zuvor lediglich die Partie gegen den EHC Kloten. In der Eröffnungspartie auswärts in Davos wurde der grosse und bisher überlegene Meisterschaftsfavorit aufs Äusserste gefordert und auch die Partien gegen Gottéron und Rapperswil (beide mit 3:4 – Niederlagen) waren nicht so schleckt. Wobei die Siegchance bei vier Gegentoren halt schon etwas kleiner wird.

Kollektives Versagen

Aber eben: der heutige Auftritt in Biel kam einem kollektiven Versagen gleich. Man sah das Unheil bereits im ersten Abschnitt kommen, wo sich die Emmentaler mit einem ihrer zwei einzigen Schüssen (bei 12 des Gegners) die 1:0 – Drittelsführung sicherten. Zu viele Strafen führten dann im Mittelabschnitt zur Wende. 1:2 stand es nach 40 Minuten, wobei Biel dem Spielverlauf entsprechend eigentlich deutlich höher hätte führen müssen. Beim 1:1 Ausgleich (29.) im Anschluss einer Strafe gegen Hannes Björninen kam Mark Sewer im Slot sträflich allein zum Abschluss. Den zu unpräzis abgegebenen Schuss wehrte Luca Boltshauser direkt vor die Füsse von Jesse Salinen ab, der keine Mühe hatte zu reüssieren. Bereits hier also ein Versagen mehrerer Langnauer. Noch schlimmer kam es beim Ausschluss gegen Phil Baltisberger. Vier Langnauer standen vollends im Schilf, so dass Fabio Hofer, der an der blauen Linie angespielt wurde, mutterseelenallein und in aller Ruhe geradeaus auf das Langnauer Tor zulaufen und sich die Ecke raussuchen konnte (36.).

Nur ein frühes Tor im Schlussdrittel hätte den Langnauer nochmals eine Chance geben können, dieses Spiel noch zu gewinnen. Das frühe Tor fiel aber bei Luca Boltshauser. Ein harmlos scheinender Schuss von der Bande lenkte Gaetan Hass noch entscheidend und für den Torhüter unhaltbar ab. Somit stand es 1:3. Den Rest schenken wir uns. Zwar steigerten die Tiger nun ihre Kadenz, gaben auch mehr Schüsse ab. Doch es gelang nicht, den EHC Biel auch nur ansatzweise in Verlegenheit zu bringen.

Dass die Emmentaler, die mit einem erklecklichem Vorsprung von fünf Punkten auf den damals noch auf dem 11. Rang klassierten EHC Biel in diese letzten sechs Spiele gestartet waren, nach fünf Niederlagen ohne einen einzigen Punkt mental angeschlagen in diese entscheidende Partie gehen würden, war klar. Aber sie waren nicht nur angeschlagen, sondern mental geplättet. Wer gegen vorne nichts zustande bringt, muss wenigstens in der Lage sein, hinten gut zu stehen. Das klappte diesmal hinten und vorne nicht. Der EHC Biel war in allen Belangen und auf allen Positionen überlegen.

Die SCL Tigers sind nach den zuletzt erzielten Resultaten völlig zurecht ausgeschieden. Etwas anders sieht es aus, wenn man die ganze Saison betrachtet. Das Publikum in Langnau wurde meistens gut bis sehr gut unterhalten.

Ziehen wir also noch das Spiel vom Montag gegen die ZSC Lions rein, in welchem von jeglichem Druck befreite Tiger noch einmal nach Lust und Laune ihr Können demonstrieren können. Danach folgt nämlich für Langnau-Fans eine lange Pause.