Nach der vierten Derby-Niederlage gegen den SCB:
Müssen sich die Tiger Sorgen um das Play In machen?
Die SCL Tigers verlieren ein tolles Derby gegen den SC Bern mit 3:4 nach Verlängerung. Es ist die vierte Niederlage in Serie, wovon allerdings drei mit Punktgewinn. Die Langnauer sind vom SCB auf Rang 10 verdrängt worden und liegen noch drei Punkte vor dem EHC Biel, der noch ein Spiel weniger ausgetragen hat. Sind die Sorgen um die Play In – Quali berechtigt?
Hier drückt Saku Mäenalanen den Puck zum 1:0 über die Torlinie. Das Zuspiel kam von Santtu Kinnunen. Es war der erste von zwei Treffern an diesem Abend für Mäenalanen. Bild: Susanne Bärtschi.
Was für ein Derby! Dieser Kampf, diese Intensität, diese Dramatik. Es war trotz Fehlern eines der am besten unterhaltenden Spiele, die wir an der Ilfis gesehen haben. Nach fehlerhaftem ersten Drittel führten die Tiger noch entgegen dem Spielverlauf. Danach schienen sie aber immer wieder näher am Sieg, der auch verdient gewesen wäre. Zuerst führten die Tiger durch zwei Treffer von Saku Mäenalanen mit 2:0 und schienen alles im Griff zu haben. Dann kassierte jedoch Samuel Erni eine etwas hart gepfiffene Strafe. Hart gepfiffen deshalb, weil die Schiedsrichter dieses Derby nicht verpfiffen und vieles durchliessen. Dass dieses Spiel diese Qualität hatte, war auch den grosszügigen Unparteiischen zu verdanken. Aber diese Strafe gegen Erni führte zum Anschlusstreffer, und der SCB gewann deshalb bis zum Ende des zweiten Drittels die Oberhand und erzielten noch zwei weitere Treffer, beide durch Häman Aktell Hardy. Der Führungstreffer fiel fünf Sekunden vor Drittelsende, kündigte sich durch eine anhaltende Druckperiode an, wobei man hoffte, die Tiger würden durch die Sirene gerettet.
Im Schlussdrittel dann zügig der Ausgleich durch Dario Allenspach. Trotz mehrerer guter Chancen reichte es aber nicht zum Siegtreffer. Ein ähnliches Bild in der Verlängerung. Beide Teams hatten Torchancen, aber das Plus war bei den Einheimischen. Trotzdem mussten sie in der 64. Minute die Entscheidung zu ihren Ungunsten hinnehmen.
Die Konsequenz
Es gab Zeiten, in denen eine Saison ohne Sieg gegen den SC Bern keine gute Saison war. Für einen Grossteil des Publikums waren dies jeweils die wichtigsten Siege. In der Woche vor und noch Tage nach einem Derby sprach man in Langnau fast nur davon. In den späten 1970er-Jahren waren diese Spiele zudem mitentscheidend dafür, wer später Meister wurde. Da verkam die Schweizer Meisterschaft zu reinen Berner Kantonalmeisterschaft. Alle anderen Teams machten mit, aber figurierten unter «ferner war auch noch dabei».
Heute ist dies nicht mehr so. Spätestens als der SC Bern den Emmentalern in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends ein Darlehen gewährte, damit diese den Spielbetrieb finanzieren konnten, war die Rivalität nur noch eingeschränkt vorhanden. Das Derby von gestern erinnerte mich an frühere Zeiten.
Für die Berner war dieser vierte Sieg in der vierten Begegnung dieser Saison wichtig. Denn damit zogen sie erstmals seit der dritten Runde wieder an den Langnauern vorbei. Bei Punktgleichheit zwar, und obwohl die Tigers die bessere Tordifferenz haben. Aber zuallererst zählen bei Punktgleichheit die direkten Begegnungen. Die SCL Tigers liegen auf Rang 10, bedrängt durch den EHC Biel, der nur drei Punkte dahinter liegt, ein Spiel weniger bestritten hat und in den Direktbegegnungen ebenfalls vorne liegt. Kloten (50 P.) und Ambri (49) haben mit dem Play In nichts mehr zu tun.
Droht das Verpassen des Play In?
Vier Niederlagen in Serie resultierten zuletzt in Serie. Zuvor hatte sich Harri Pesonen & Co. sogar vor den EV Zug auf Rang 8 gesetzt. Die Innerschweizer haben kürzlich den Coach gewechselt, was dank zwei Siegen zumindest kurzfristig Erfolg zeigt. Der Sieg gegen Langnau kam allerdings mit etwas Glück zustande und es brauchte einen grossartigen Leonardo Genoni im EVZ-Tor dazu. Da zuletzt gegen Davos wieder eine Niederlage resultierte, liegt Zug immer noch in Reichweite der Langnauer (3 Punkte Rückstand). Auch die Rapperswil-Jona Lakers liegen lediglich drei Punkte vor den Emmentalern
Die Entscheidung um das Play In, ob, und auf welchem Rang man dieses erreicht, entscheidet sich also in den verbleibenden Spielen der Qualifikation zwischen den Lakers (64 P), dem EVZ (64), dem SCB (61), den SCL Tigers (61) und dem EHC Biel (58). Zu erwähnen ist, dass lediglich die Langnauer bereits 45, alle anderen erst 44 Spiele absolviert haben. Gegen die Lakers und den SCB liegen die Tiger bei Punktgleichheit zurück, gegen den EVZ voraus und bei Biel weiss man es noch nicht. Biel führt zwar in dieser Hinsicht, aber die Langnauer können dies in der letzten Begegnung noch drehen.
In den letzten, allesamt verlorenen, vier Spielen haben die SCL Tigers lediglich gegen den HC Ajoie etwas enttäuscht. Aber wie die drei anderen Spiele hätten die Emmentaler auch diese Partie gewinnen können und eigentlich auch müssen. Dieses Schlachtenglück gleicht sich in der Regel aus. Spielen die Mannschaft von Coach Thierry Paterlini so weiter, werden sich schnell auch wieder Siege einstellen. Wie wir unschwer erkennen, ist sogar Rang 7 noch in Reichweite.
