Berner Zeitung, Tobias Habegger
Nause will mehr Geld von YB und SCB
Seit 2009 fordern Politiker mehr Geld von YB und vom SCB für die Polizeikosten, die rund um ihre Spielen anfallen. Nach Jahren der Drohungen steht Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) in den Verhandlungen kurz vor dem Durchbruch.
Die Polizeikosten bei Spielen von SCB und YB sind rückläufig.
Noch bevor die Tinte unter dem Vertrag trocken war, lachten sich die Verantwortlichen von YB und vom SCB ins Fäustchen. Es war im Herbst 2008, als sie mit dem damaligen Stadtberner Sicherheitsdirektor Stephan Hügli (FDP) einen Deal abschlossen, über den sein Nachfolger Reto Nause (CVP) sechs Jahre später sagen wird: «Die beiden Sportklubs haben von hervorragenden Konditionen profitiert.»
Gemäss diesem Vertrag über die Beteiligung an den Sicherheitskosten bezahlen YB und der SCB jährlich 60'000 Franken an die Polizeikosten, die rund um ihre Spiele anfallen. Diese Summe sei «nett usgedrückt: bescheiden», sagte SP-Stadtrat Stefan Jordi im September 2011; Alt-GB-Stadtrat Urs Frieden betonte im Juni 2012, der Beitrag der Sportklubs sei «viel zu tief angesetzt», und SVP-Fraktionspräsident Roland Jakob spricht im Januar 2014 von einem «Tropfen auf den heissen Stein».
Tatsächlich haben YB und SCB beispielsweise im Jahr 2012 nur 5 Prozent der Polizeikosten rund um ihre Spiele selber übernommen (120'000 Franken von 2,5 Millionen Franken). Dabei dürften die Behörden bis zu 80 Prozent der Sicherheitskosten nach Abzug der polizeilichen Grundversorgung auf die Klubs überwälzen. Im Beispiel vom Jahr 2012 wären das 2 Millionen Franken. So hat es das Bundesgericht im Jahr 2009 entschieden. Das entsprechende Urteil wurde nur wenige Monate nach Vertragsabschluss zwischen Nauses Vorgänger Hügli und den Sportvereinen veröffentlicht. «Mein Vorgänger hatte Pech», sagt Nause rückblickend. «Mit dem Bundesgerichtsentscheid im Rücken hätte Hügli den Vereinen damals bestimmt mehr Zugeständnisse abgerungen.»
Nause hielt sich an Vertrag
Doch auch Reto Nause hat den Betrag, den die Sportklubs an die Sicherheitskosten bezahlen, seit seinem Amtsantritt nie erhöht. Obschon dies seit besagtem Bundesgerichtsurteil mittels Verfügung möglich gewesen wäre. Obschon das Stadtparlament mit regelmässig eingereichten Vorstösse auf eine Erhöhung der Klubbeiträge pochte.
doch er drohte den Klubs
In solchen Phasen argumentierte der Sicherheitsdirektor stets wie folgt: «Pacta sunt servanda – Verträge sind einzuhalten», sagte er gegenüber kritischen Stadträten und Medien. Es wäre schlechter Stil der Stadtbehörden, wenn sie als Partner vertragsbrüchig würden. Nause selber aber drohte den Sportklubs bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit einer Erhöhung der Sicherheitskosten. «Wenn es in einem Jahr noch immer so viele Polizisten für ein SCB- oder ein YB-Spiel braucht, dann müssen wir die Kostenbeteiligung der Klubs neu verhandeln», sagte er im November 2009. Oder: «Wenn sich YB im Kampf gegen Pyrofackeln weiterhin zurückhält, verstärke ich den Druck durch eine höhere Abgeltung der Sicherheitskosten», doppelte er ein Jahr später nach. Und als sich die Young Boys im Frühjahr 2012 weigerten, die geplanten Überwachungskameras zwischen der S-Bahn-Station Wankdorf und dem Stade de Suisse finanziell zu unterstützen, baute Reto Nause erneut die bekannte Drohkulisse auf.
Seine Worte wirkten – obschon er niemals Taten folgen liess. Die beiden Sportklubs kooperierten mit dem Gemeinderat. Sie unterzeichneten Sicherheitsvereinbarungen, investierten Geld in die Fanarbeit. Und YB bezahlte 140'000 Franken an den Bau eines Fantrennzaunes auf öffentlichem Grund.
Fanmärsche durch die Stadt
Dank des Fanzauns gingen die Polizeikosten zurück. Doch der Druck auf die Sportklubs blieb bestehen. Dieser erhöhte sich nochmals, als die Fans des FC-Basel mehrere unbewilligte Fanmärsche durch die Stadt Bern organisierten. Als Grund gaben sie Provokationen von Reto Nause an. Dieser hatte den Fanzaun in dieser Zeitung «Raubtierkäfig» genannt.
Wegen der Fanmärsche reklamierte die Kantonspolizei beim Gemeinderat. Pro Fanmarsch entstanden Zusatzkosten von 60'000 Franken. Von da an kam er wieder regelmässig: der Ruf nach mehr Geld von den Sportklubs an die öffentlichen Sicherheitskosten. Im Juni 2012 überwies der Stadtrat einen zwingenden Vorstoss, der eine Erhöhung der Klubbeiträge verlangt. Dies, obschon die Polizeikosten insgesamt rückläufig waren. Und nach den Ausschreitungen vor dem Cupfinal im Frühsommer 2013 forderte auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) mehr Geld von den Sportvereinen.
Vertrag wird neu verhandelt
Nun läuft der auf fünf Jahre abgeschlossene Vertrag zwischen der Stadt Bern und den Sportklubs aus. Wenn Reto Nause in diesen Wochen mit den Verantwortlichen von YB und vom SCB den neuen Vertrag aushandelt, tut er dies aus der Position der Stärke heraus (siehe Box). Der öffentliche Druck auf YB und den SCB ist so gross wie nie zuvor. Mit dem Stadtrat, dem Bundesgerichtsurteil und der öffentlichen Meinung im Rücken kann der Sicherheitsdirektor in diesen Verhandlungen nur gewinnen. «Der neue Vertrag wird fair und ausgewogen sein», sagt Reto Nause zum Stand der Neuverhandlungen. Währenddessen verweigern die Young Boys und der SCB gegenüber dieser Zeitung jeglichen Kommentar. Bevor die Tinte unter dem neuen Vertrag trocken ist, wollen sie sich nicht dazu äussern.
Politiker fordern mehr Geld von den Vereinen
Eine Prognose lässt sich so sicher machen wie der Wetterbericht für die Malediven: Derart günstig wie bisher kommen YB und der SCB nicht länger davon. Bisher bezahlten die beiden Klubs je 60'000 Franken pro Jahr an die Polizeikosten. Doch der entsprechende Vertrag läuft Ende Saison aus – und der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) handelt derzeit einen neuen Kontrakt mit den Vereinen aus (siehe Haupttext
Dass Reto Nause mehr Geld von den Sportklubs will, hat er im Januar gegenüber dem «Bund» gesagt. Über die Höhe des angestrebten Betrages indes schweigt der Sicherheitsdirektor. «Es stimmt, wir wollen mehr Geld von den Klubs», bestätigt Nause auf Anfrage. Aber er werde auch berücksichtigen, dass die Sicherheitskosten zurückgegangen seien (siehe Grafik).
Die Gespräche mit den Verantwortlichen von YB und dem SCB seien «konstruktiv», betont Nause. Die Parteien seien sich «über die Grundzüge des zukünftigen Modells» einig. Der Beitrag der Klubs soll in Zukunft an die effektiven Polizeikosten gekoppelt werden. «Wir könnten auch auf jedes Ticket einen fixen Beitrag draufschlagen», sagt Nause. «Doch das wollen wir nicht, weil wir so den Zuschauererfolg der Vereine bestraften.
Sofern sich die Parteien einigen, wird der Vertrag dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt. «Reto Nause soll die Möglichkeiten des Bundesgerichtes ausreizen», findet SP-Co-Präsident Stefan Jordi. «Jedoch sollte das Engagement, das die beiden Klubs in der Fanarbeit leisten, in den Verhandlungen auch berücksichtigt werden.» Auch FDP-Fraktionspräsident Bernhard Eicher betont, der Klubbeitrag müsse deutlich höher ausfallen. «Aber jeder, der während laufender Verhandlungen Beträge nennt, handelt gegen das Interesse der Stadt.
Einen Betrag nennt GFL-Stadtrat Manuel Widmer: «Zehn Prozent der Sicherheitskosten sollen die Klubs übernehmen.» Im Gegenzug sollten die Vereine laut Widmer aber zwingend ein Mitspracherecht beim Polizeiaufgebot erhalten. BDP-Stadtrat Philip Kohli ist gegen eine Erhöhung der Klubbeiträge: «Die Polizeieinsatzstunden sind rückläufig. Wir sollten die Vereine dafür belohnen – und nicht bestrafen.» SVP-Fraktionspräsident Roland Jakob fordert: «Die Polizeigrundversorgung soll auch für die Sportklubs kostenlos sein», sagt er. An den Kosten, die darüber hinausgehen, sollten sich die beiden Vereine aber mit mindestens zwanzig Prozent beteiligen.
