Keine Punkte zu Harri Pesonens Abschied:

Wieso endet diese lange Zeit geile Saison derart im Jammertal?

Die SCL Tigers können auch das Abschiedsspiel ihres Captains Harri Pesonen nicht gewinnen. Sie verlieren gegen die ZSC Lions mit 0:2. Für die Langnauer ging es nur noch um Rang 11 oder 12. So endet eine hoffnungsvolle Saison ernüchtern. Wir schauen etwas genauer hin.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Mit dieser “Kiitos Harri” - Choreo (Danke Harri) würdigten die Tiger-Fans ihren Harri anlässlich seines letzten Spiels im Tiger Dress. Bild: Susanne Bärtschi

 

Wer nun einen Bericht über dieses aus Langnauer Sicht unbedeutende Spiel der SCL Tigers und den ZSC Lions erwartet, muss ich enttäuschen. Es ist völlig egal, ob es nach dem Ausscheiden im Rennen um das Play In schliesslich der 11. oder der 12. Rang ist, der letztendlich resultiert. Der Abstieg war in dieser Saison nie ein Thema. Auch nicht die Serie gegen die Verbannung in die Ligaqualifikation. Zu gut waren die Tiger lange Zeit in dieser Saison. Umso erstaunlicher dieser Absturz zum Ende dieser Qualifikation (Null Punkte aus sechs Spielen).

Riesige Chance vertan

Man stelle sich dies mal vor. Wenn man den SCL Tigers und deren Fans vor den sechs Spielen nach der Olympiapause gesagt hätte, sie bräuchten daraus lediglich noch fünf Punkte, dann wären sie ohne Wenn und Aber im Play In, hätte niemand an der Erreichung dieses Saisonzieles gezweifelt. Für fünf Punkte aus sechs Spielen ist ein Punkteschnitt von 0,83. nötig. Zum Vergleich: Der HC Ajoie, abgeschlagener Letzter in der National League, kommt auf einen Schnitt von 0,81. Die Langnauer realisierten in den 46 Spielen zuvor durchschnittlich 1,39 Punkte, was hochgerechnet am Schluss der Saison 72 Punkte ergeben hätte. Man konnte aber zu diesem Zeitpunkt nicht sicher davon ausgehen, dass 72 Punkte tatsächlich gereicht hätten. Es blieb aber zum Schluss der Saison bei den 64 Punkten, welche sich die Tiger bereits vor der Olympiapause erspielt und erkämpft hatten.

Wechseln wir kurz zu unseren beiden Kantonsrivalen, die uns im Rennen um das Play In begleitet und Konkurrenz geboten haben. Was ergibt sich für ein Bild?

Beginnen wir beim SCB. Wie die Langnauer hatten auch sie nach 46 Spielen 64 Punkte auf ihrem Konto. Gleicher Punkteschnitt ergibt gleiche Hochrechnung (72 Punkte nach 52 Spielen, aber mit dem Vorteil, sowohl gegen Biel wie auch gegen Langnau die bessere Bilanz aus den Direktbegegnungen zu haben, was im Vergleich zu den beiden Konkurrenten einen Punkt wert war. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil für den Fall, dass alle drei gut performen. Doch die Bundesstädter realisierten aus ihren letzten sechs Partien jämmerliche vier (4 !!!) Punkte. Wie miserabel ist das denn! Mit Verlaub, aber dies ist eigentlich eines Weiterkommens nicht würdig. Trotz diesem Totalversagen – man kann es auch hier nicht anders schönreden – schliessen die Berner die Qualifikation auf dem 9. Rang ab. 

Kommen wir zum EHC Biel. Hier auf den ersten Blick ein «Wow». Man ist versucht zu sagen, was für eine Leistung. Die Seeländer machen aus einem Fünf-Punkte-Rückstand gegenüber den beiden Kantonsrivalen einen Vorsprung von drei Punkten auf die SCL Tigers und rücken dem SCB bis auf einen Punkt auf die Pelle. Aber wenn wir genauer hinschauen, ist dies kaum der Rede wert. 1,28 Punkte pro Spiel waren es vor der Olympiapause, 1,33 ist der Schnitt danach. Ein Endspurt sieht anders aus! Biel hat gerade mal soeben den Punkteschnitt halten, bzw. ganz leicht steigern können. Entscheidend war dabei der 5:1 – Erfolg in der Direktbegegnung der zweitletzten Qualifikationsrunde gegen ein allerdings in dieser Partie bedenklich schwaches Langnau.

Wir sehen also allein an diesen offensichtlichen Punkten – dafür muss man nicht Experte sein – welch riesige Chance für ein Weiterkommen die Emmentaler in dieser Phase richtiggehend vertubelt haben. Null Punkte aus sechs Spielen – einfach unsäglich.

Wie es dazu hat kommen können, wird nun zu analysieren sein. Es waren ja einige Spiele dabei, in welchen die Mannschaft trotz Niederlage gute bis sehr gute Leistungen (auswärts gegen den HC Davos) gezeigt haben. Aber es hatte eben auch zwei «Unterirdische» dabei. In den Spielen gegen Kloten und Biel lief gar nichts. Möglich, dass die Partie gegen den EHC Kloten (zweites Spiel nach der Pause) eine entscheidende Rolle eingenommen hat. Der EHC Biel hatte nach dieser Runde den Rückstand wettgemacht und die Tiger dank besserer Bilanz aus den Direktbegegnungen bereits auf Rang 11 verdrängt. Gerieten die Tiger deswegen unter einen Druck, mit welchem sie nicht klarkamen? Denn egal, wie die Leistung war: sie fanden immer den Weg in die Niederlage.

Harri Pesonens letztes Spiel für die Tiger

Bei vielen Fans einerseits verständlich, aber halt trotzdem sehr traurig: Nachdem der Vertrag mit dem Finnen und Captain Harri Pesonen nicht verlängert wurde, bestritt dieser in der Partie von gestern gegen die ZSC Lions seine letzte Partie im Tigerdress. Harri hätte gerne weitergemacht und war ob der Nichtverlängerung des Vertrages sehr enttäuscht. Er war zuletzt nicht mehr ganz so unwiderstehlich, wie wir ihn von früher kannten. Dass er aber der anerkannte Leader das Teams war, für die Tiger immer alles gab und quasi zum Emmentaler wurde, war jederzeit offensichtlich. Pesonen war in den letzten Jahren das Herz der Mannschaft. Diese braucht jetzt ein neues Herz. Ich bin gespannt, wer diese Rolle künftig einnehmen kann.

Pesonen, für den dieser Abschied – auch vor und nach dem gestrigen Spiel unverkennbar – sehr emotional war, wurde von den Fans mit einer tollen Choreo würdig verabschiedet.