Dritte Niederlage im vierten Spiel gegen den Tabellenletzten:
Die Peinlichkeit in einer sonst starken Saison
Was ist da los bei den SCL Tigers? Weshalb ist der HC Ajoie plötzlich übermächtig? Weshalb reicht sogar ein Zweitorevorsprung nicht zum Sieg? Die SCL Tigers verlieren erneut gegen den Tabellenletzten. Es ist die dritte Niederlage in Serie gegen die Jurassier.
Wenn hier André Petersson das Tor, und nicht bloss den Pfosten getroffen hätte, wäre die Partie wohl zugunsten der Langnauer entschieden gewesen. Bild: Susanne Bärtschi
Eines ist klar: die SCL Tigers spielen insgesamt eine geile Saison. Doch das gilt nicht für die Spiele gegen den HC Ajoie. Die Jurassier haben die Lizenz, die Emmentaler zu ärgern. Das zeigt in den Direktbegegnungen inzwischen sogar mentale Auswirkungen.
Der klägliche Auftakt in die Partie
Das schlechte Gefühl fing schon vor der Partie an. Eigentlich haben die SCL Tigers eine geile Einstimmung in jede Partie kreiert. Als ich diese das erste Mal hörte, dachte ich: Geil! Endlich hat man in Langnau begriffen, was es braucht. Zuerst ein SCL-Song des bekannten Langnauer Liedermachers Tinu Heiniger. Danach erklärt uns Tinu, untermalt mit knackigen Bildern, was das Eishockey in Langnau ausmacht. Dann werden die Spieler aufgerufen (diesen Teil könnte man allerdings noch wesentlich besser machen / das ist unbefriedigend). Aber danach diese knackige, die Stimmung anheizende Bummbumm-Musik – das ist vom Allerfeinsten. Auf dem Videowürfel blitzts und vibriert es dazu. So einlaufen, und sowohl die Spieler wie auch das Publikum wissen, worum es geht.
Leider ist man in Langnau auch etwas «Höseler». Es wird wohl ein paar Reklamatiönchen gegeben haben wegen der Lautstärke. Eine davon hätte genügt. In mehreren Schritten hat man die Lautstärke und damit die Intensität immer weiter heruntergeschraubt. Gegen Ajoie war dies nur noch ein laues Lüftchen. Liebe SCL Tigers: Lasst es einfach besser sein. Hört auf, Geld für etwas auszugeben, hinter dem ihr dann nicht stehen könnt und wo ihr bei jeder Reklamation gleich umfällt. DAS ist wirklich kläglich.
Alternativ könntet ihr aber auch jenen, denen dies zu laut ist, ein paar Ohropax abgeben. Das wäre tausendmal besser, als sich die Show kaputt zu machen.
Wie das Spiel gelaufen ist
Kurz zur Geschichte dieser mühsamen, fast unerträglich anzusehenden Partie: Die erste Hälfte war ganz ok. Die Langnauer machten das, was zu tun ist gegen einen Gegner, der die Räume zumachte, störte und zerstörte und ganz und gar defensiv ausgerichtet war. Es waren sogar einige gute Torchancen mit dabei. Irgendwann würden die Bemühungen Früchte tragen. Das war klar. Das konnte gar nicht anders sein.
Dies tat es dann auch kurz nach Spielmitte. Juuso Riikola und Harri Pesonen stellten in der 32. Und 33. Minute innerhalb von 30 Sekunden auf 2:0. Alles schien auf besten Wege. Trotz mühsamem Spiel.
Doch darauf hatten die Tiger danach offenbar keine Lust mehr. Sie stellten die offensive Bemühungen nahezu ein. Das Spiel bekam ein ganz anderes Gesicht. Ajoie übernahm das Spieldiktat, störte und zerstörte weiterhin, machte auch immer noch die Räume zu. Aber agierte nun offensiver. Wobei André Petersson wenig später die Entscheiung auf dem Stock hatte. Nach einer für einmal wunderbaren Kombination traf er vor dem leeren Tor (Ajoie-Hüter Damiano Ciaccio war ausgespielt) lediglich den Pfosten.
Der 2:1 – Anschlusstreffer der Ajoulots durch Jonathan Hazen in der 38. Minute kam – man kann es nicht anders sagen – nur dank der in diesem Moment defensiven Arbeitsverweigerung der Einheimischen zustande.
Trotzdem schien es danach, als könnten die Langnauer diesen knappen Vorsprung über die Zeit bringen, zumal in der 54. Minute auch noch Thomas Thiry wegen eines Beinstellens für zwei Minuten rausgeschickt wurde und Ajoie in Unterzahl agieren musste.
Die Strafe war gerade am Ablaufen, als Saku Mäenalanen unter Druck in der offensiven Zone der fatale Fehlpass unterlief, der dann zum Ausgleich führte. Also auch diesmal ein Gegentreffer, den die Tiger voll und ganz auf die eigene Kappe nehmen müssen. Wie bereits beim Anschlusstreffer hatte Martin Neckar, der wie bereits in Pruntrut das Tiger-Tor hütete, keine Chance. Erneut hatte er eher wenig zu tun, aber das, was es zu tun gab, erledigte er mit Bravour. Er hat in seinen ersten beiden Spielen in der National League (beide gegen Ajoie) lediglich vier Gegentreffer kassiert. Eigentlich müsste dies gegen den Tabellenletzten locker zu zwei Siegen reichen. Es reichte immerhin zu zwei Punkten.
Dass die Verlängerung dann auch noch verloren ging, hatte seine Logik. Man hat gegen Ajoie einfach nicht das Rezept, zu bestehen. Viel zu früh war man ob des 2:0 – Vorsprungs erleichtert, dass es diesmal mit dem Sieg wohl klappen würde. Viel zu früh fiel die Anspannung vom Team ab. Aber dies führte nicht zu einem befreiten Aufspielen, sondern zu einem kläglichen Versuch, den Vorsprung zu verwalten. Kläglich deshalb, weil dies nicht einmal gegen den Tabellenletzten klappte. So begann die National League – Laufbahn des Torhüters Martin Neckar mit zwei Niederlagen, für die er selbst nichts kann. Es hätte ganz anders laufen können und müssen.
Nun geht es in eine ganz wichtige Phase in dieser Saison. Heute Abend spielen die SCL Tigers in Zug auf und am kommenden Dienstag empfangen sie den SC Bern. Gegen die Innerschweizer resultierten in der bisherigen Saison drei Siege, gegen den SC Bern drei Niederlagen. Da es sich um zwei direkte Gegner um den Einzug ins Play In handelt, sollte die positive Serie verlängert und die negative durchbrochen werden. Gut, dass die Emmentaler aus so peinliche Auftritte wie gegen Ajoie meistens starke Reaktionen zu zeigen in der Lage sind.
