Weshalb der FANTIGER derzeit zuhause bleibt:

Pragmatisch und solidarisch

Der Berichterstatter könne doch ein Foto des Spielgeschehens auch selber knipsen. So wurde die Absage an die FANTIGER-online - Fotografin begründet, weiterhin von der Pressetribüne Bilder für das Portal zu schiessen. Ein Platz steht uns immer noch zur Verfügung. Dieser wird jedoch seltener genutzt. Publizieren werden wir weiterhin.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Ein Privileg (von lateinisch privilegium „Vorrecht, Ausnahmegesetz“) bedeutet ganz allgemein ein Sonderrecht, ein Vorrecht oder eine Vergünstigung, die einer einzelnen Person, einer bestimmten Gruppe oder einer Institution zugesprochen wird und anderen nicht zusteht.

Das heisst, was einst zugesprochen wurde, kann auch wieder entzogen werden. Man kehrt dann wieder in den Normalzustand zurück.

Dies ist FANTIGER-online nun teilweise passiert. Über mehr als 12 Jahre durfte das Portal auch in Langnau jeweils zwei Plätze auf der Journalistentribüne besetzen. Künftig wird es nur noch einer sein. Die für die Fotografie zuständige Susanne (Sue) Bärtschi erhält keinen Platz mehr. Der Berichterstatter könne ein Bild auch ganz leicht selber schiessen, wurde den Betreibern des Portals ausgerichtet.

FANTIGER-online bedauert, aber akzeptiert diese Entscheidung, möchte jedoch dazu eine Erklärung abgeben. Darüber, wie alles begonnen hat, welche Folgen der Entscheid hat, und wie es weiter geht.

Die Erklärung

Der Entscheid der Verantwortlichen der SCL Tigers wird ohne Wenn und Aber, jedoch schweren Herzens akzeptiert. Es ist der Entscheid der Hausherren, die ein Privileg jederzeit gewähren oder auch wieder entziehen können. Sie brauchen dafür keinerlei Begründung zu liefern.

Nun haben aber die SCL Tigers über ihren Medienverantwortlichen trotzdem und ohne Nachfrage Begründungen geliefert. Wenn Begründungen falsch sind, oder für falsch gehalten werden, darf man diese durchaus kritisieren. Eine solche Kritik an Begründungen muss allerdings keinerlei Einfluss auf den Entscheid selbst haben. FANTIGER-online akzeptiert also den Entscheid, nicht aber die Begründung. Und um die Begründungen – und nur darum (!) - geht es hier.

Die Begründungen

Hier also die beiden Begründungen:

  • Die Liga/der Verband habe dies so vorgegeben.
  • Der Berichterstatter könne leicht ein Foto selber schiessen.

Zur angeblichen Vorgabe der Liga:

Natürlich kann es von der National League oder vom SIHF ein Wunsch sein, die Medientribüne von unerwünschten Personen fernzuhalten. Und es kann auch sein, dass hierzu Empfehlungen abgegeben werden. Aber die Klubs sind und bleiben die Hausherren. Die Begründung, es sei ein Entscheid der Liga oder des Verbandes, zieht also nicht. Dies können nur die SCL Tigers entscheiden. Das können die Verantwortlichen nicht jemand anderem in die Schuhe schieben.

Darüber, dass der Berichterstatter leicht ein Foto des Spielgeschehens schiessen könne:

Das stimmt. Das haben wir auch schon so gemacht. Sue Bärtschi konnte zwar oft, aber nicht immer dabei sein. Dann war es jeweils am Berichterstatter, zumindest per Beweisfoto zu dokumentieren, dass er vor Ort war. Mehr als ein Beweisfoto war es jeweils nicht. Zuweilen wurde einfach ein Anspiel fotografiert. Dies, weil die Fähigkeit des Schreibers, bei wichtigen Szenen jeweils rechtzeitig das fotografische Serienfeuer zu eröffnen, schlicht und ergreifend nicht vorhanden ist. Alles wird dadurch erschwert, dass sich FANTIGER-online mangels Einnahmen keine teure Fotoausrüstung leisten kann und mit einer 20 Jahre alten Kamera fotografiert, bei der die Auslösung immer etwas später erfolgt. Sue Bärtschi hat dies über die Jahre in den Griff bekommen. Übrigens: auch Profifotografen mit ihren teuren Ausrüstungen schiessen hunderte von Bildern von einem Ereignis wie einem Eishockeyspiel, wovon sie dann die Besten für ihre Verlage oder Kunden auswählen. Also nix da von schnell mal ein Bild schiessen.

Zur Person Sue Bärtschi

FANTIGER-online hat mehr als zehn Jahre lang jedes Heim- und jedes Auswärtsspiel der SCL Tigers besucht und einen Spielbericht mit Foto noch am gleichen Abend online gestellt. Erst in den letzten drei Jahren wurde auf die Auswärtsspiele mehrheitlich verzichtet, und auch die Spielberichte wurden weniger, weil die Nachfrage danach kleiner wurde und weil sie sogenannten Einschätzungen oder Analysen wichen. Da wir bei Spielberichten meistens mit dem Hochladen früher dran waren als die anderen Medien, hatten wir lange Zeit recht gute Leserzahlen, wenn auch im Laufe der Zeit mit abnehmenden Zahlen. Aktuelle Fotos passen jedoch nicht nur zu Spielberichten, sondern zu allen Artikeln über die SCL Tigers.

In den meisten Fällen begleitete mich Sue Bärtschi zu den Spielen. Inkl. Playoffs/Playouts waren dies etwa 600 Spiele, wovon Sue etwa bei 500 mit dabei war und Bilder lieferte, von denen ich eines auswählen konnte. Dabei wurden uns nicht nur in Langnau, sondern in allen Eishockeystadien (auch in der NLB) immer zwei Plätze zur Verfügung gestellt. Eine Ausnahme bildete der HC Fribourg-Gottéron. Dort stand irgendwann nur noch ein Platz zur Verfügung. Dazu muss man aber wissen, dass FANTIGER-online das einzige Fan-Medium war, das in Fribourg überhaupt zugelassen wurde. Sogar das nationale Fanportal hockeyfans.ch und eigene Fanmedien wurden nicht eingelassen. Insofern war Gottéron sogar eine Ehre für uns.

Unser Entscheid (FANTIGER-online)

Für mich geht es nicht, dass ich jetzt, wo meine langjährige Gefährtin für unser Fan-Portal bei Heimspielen nicht mehr dabei sein kann, einfach weitermache wie bisher. Zumal dann, wenn FANTIGER-online keine relevanten Bilder mehr selber erstellen kann, auch die Anwesenheit des Berichterstatters nicht mehr zwingend notwendig ist. Denn das generelle Arbeiten mit Beweisfotos kann nicht unser Anspruch sein. Und auch, - was uns angeboten wurde, - wenn die SCL Tigers dem Portal Bilder zur Verfügung stellen würden (der Hoffotograf macht ausgezeichnete Bilder), ist meine Anwesenheit längst nicht mehr immer notwendig.

Mir wurde die Saisonakkreditierung erteilt. Es wird das eine oder andere Mal notwendig sein, dass ich davon Gebrauch mache. Dann werde ich mich rechtzeitig anmelden, damit klar ist, dass ich den Platz jetzt benötige. In allen andern Fällen stelle ich aber den mir vergebenen Platz gerne Medien zur Verfügung, die bisher wegen mir (uns) auf der dafür vorgesehenen, ständig überfüllten Medientribüne keinen Zugang gefunden haben.

Dies alles hat auch mit Solidarität gegenüber Sue Bärtschi zu tun. Ich kann nicht einfach weiter machen wie bisher, nach allem, was sie für das Portal geleistet hat. Solange sie mit zu den Spielen durfte, war sie wichtig für FANTIGER-online.

Zuletzt möchten wir uns jedoch herzlich bedanken für die jahrelange grosszügige Handhabe bei der Erteilung der doppelten Akkreditierung für FANTIGER-online. Wir wussten – und wissen es auch jetzt noch – sehr zu schätzen.

FANTIGER-online wird selbstverständlich weiterhin Artikel, Einschätzungen und, sofern notwendig, Kritiken veröffentlichen.