Lausanne gedemütigt, den Meister gebodigt:

Was für zwei Spieltage

Nach sechs Spielen mit total lediglich vier Punkten finden die SCL Tigers eindrücklich in die Spur zurück. Die etwas unübersichtliche Tabelle zeigt sie sogar auf Tabellenrang 2. Derzeit sind die Langnauer ein ernsthafter Kandidat für die direkte Playoff-Qualifikation. So darf es weiter gehen.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Screenshot aus dem Blicktalk “Schliifts”, wo Jérôme Bachofer zu Gast war. Interessant, da mal reinzuhören.

Damit war nicht unbedingt zu rechnen. Ich hatte zum Beispiel schon etwas Bedenken. Gegen den HC Lausanne verloren die Tiger zuletzt fünf Mal in Serie. Auswärts hatten sie gegen diesen Gegner schon länger nicht mehr gewonnen. Eine Niederlage in Lausanne hätte die schlechte Phase von lediglich vier Punkten aus sechs Spielen auf sieben Spiele verlängert und wohl auch die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg gegen den Meister geschmälert. Solch eher düstere Gedanken gingen mir durch den Kopf. Doch ich hätte mir diese besser erspart. Sie waren nämlich nicht nötig. Nach der 9:3 – Gala in Lausanne, mit welcher sich die Tiger sogar einen Rekord holten (schnellste sechs Tore), erarbeitete man sich im Schlussdrittel der Partie gegen den Meister eine Wende zu drei Punkten.

Noch gilt es etwas zu relativieren. Die Tabelle zeigt nämlich das Team von Caoch Thierry Paterlini derzeit auf dem formidablen zweiten Rang. Doch so schön dies aussieht, es täuscht. Hätten alle Klubs gleich viele Spiele, würden die Tiger derzeit irgendwo zwischen dem 5. und 7. Tabellenrang liegen, aber mit wenig Differenz bis zu Rang 3. Doch auch dies ist spitze und zeigt, dass im Emmental weitere Schritte vorwärts gemacht wurden. Es zeigt auch dass die Mannschaft gut aufgestellt ist und dass die Mischung stimmt. Die SCL Tigers verfügen über sieben (!) sehr gute Ausländer und haben stets die Qual der Wahl. 

Starke Ausländer

Beispiel: Bei den ersten beiden Spielen war Santtu Kinnunen überzählig. Allgemein vermutete man, er könnte in dieser Saison der Ausländer Nr. 7 sein. Doch ohne ihn ging es nicht. Er spielt seither regelmässig und schultert nach Juuso Riikola am zweitmeisten Eiszeit bei den Langnauern. Danach traf es den letztjährigen Topscorer André Peterson. Coach Thierry Paterlini sagte dazu, dass die Leistungen der letzten Saison nicht mehr zählen und hatte damit recht. Petersson bekam aber wieder Chancen, wurde aber durch Krankheiten zurückgeworfen. Doch mittlerweile hat er die beste «Punkte pro Spiel» - Bilanz der ganzen Mannschaft und liegt auch in der +/- Bilanz weit vorne. Also war es zuletzt Jonathan Dahlén, der warten musste. Der Schwede hat bisher sein volles Potenzial noch nicht ausschöpfen können. Aber das wird er noch, und damit die Auswahl für den Coach nochmals schwieriger machen.

Auch die Schweizer

Aber es skoren auch die Spieler mit Schweizer Lizenz zuverlässig und haben bereits in mehreren Spielen für den Unterschied gesorgt. Es ist höchste Zeit, sich mal Jérôme Bachofner zuzuwenden. Der dreifache Schweizermeister (18, 21, 22) ist derzeit der zweitbeste Skorer der Mannschaft und der Spieler mit der besten +/- Bilanz. Ligaweit ist er in dieser Hinsicht mit seinem Wert von +10 die Nr. 5. Er kam auf die letzte Saison hin zu den SCL Tigers, weil die Alternativen – sagen wir es mal so – überschaubar waren. Nach einer bereits respektablen letzten Saison blüht er jetzt so richtig auf und macht den zum SC Bern abgewanderten Dario Rohrbach vergessen. Sportchef Pascal Müller hat bei den Transfers einen hervorragenden Job gemacht und der Coaching-Staff um Thierry Paterlini hat veredelt, was ihm zur Verfügung gestellt wurde. Die bisher von dieser Mannschaft gezeigte Performance deutet – hochgerechnet – auf eine Punktzahl von über 80 zum Ende der Qualifikation hin. Zudem gilt: was man hat, das hat man. Und genau dies könnte noch wichtig werden.

Die SCL Tigers werden bekanntlich in der Altjahrswoche am Spengler Cup teilnehmen. Das wird Kraft kosten und könnte im Januar die Performance etwas schmälern. Wie es genau kommen wird, wissen wir zwar nicht, aber in der Vergangenheit hat sich oft (wenn auch nicht immer) gezeigt, dass Mannschaften, die in zwischen Weihnachten und Neujahr in Davos engagiert waren, im Januar etwas weniger Produktivität an den Tag legten als in der übrigen Saison.

Wendepunkte im Negativen wie im Positiven

Wie wir gesehen und vermutet haben, war die Partie gegen den HC Ajoie, bei welcher die Tiger 3:0 und 4:1 geführt, die Partie aber noch verloren haben, ein Wendepunkt. Tatsächlich verloren sie auch die nächsten drei Partien und legten eine Phase von sechs Spielen mit lediglich vier realisierten Punkten hin. Nun ist ihnen dieser 9:3 – Erfolg in Lausanne quasi in den Schoss gefallen. Aber es gilt eben auch das Umgekehrte. Solche Partien können alles wieder zum Guten wenden, vor allem, wenn die Mannschaft daraus etwas macht. Wer dann am Tag nach einem Erfolg wie in Lausanne gleich auch noch dem Meister bodigt, hat alles richtig gemacht.

Am Wochenende wartet vor der Nationalmannschaftspause noch der EV Zug auf die SCL Tigers. Der EVZ hat die ersten beiden Partien in seiner umgebauten Halle gewinnen können. Es ist an der Zeit, dass die Halle auch die Niederlage kennenlernt. Ganz bestimmt kein unmögliches Unterfangen für diese Tiger. Wir dürfen gespannt sein.

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