Manifest gegen einen Zuckerwasser-Hersteller

Red Bull

Ein Aufstand der Fans ist es nicht. Aber gerade die Ultraszene aller Klubs der National League wehren sich seit Jahrzehnten gegen die Kommerzialisierung im Eishockey und reklamieren traditionelle Werte. So nun auch gegen den Erwerb der Namensrechte für die Verlängerungen: „Red Bull - Overime“. Macht sich „Pro Fans“, welches für die Aktion verantwortlich ist, damit lächerlich, wie ein prominenter Journalist meint?

Blog • • von Bruno Wüthrich

Genüsslich lässt sich ein Chronist aus dem Bernbiet über die Aktion der Fans in Langnau aus. Auf dem Weg ins Stadion traf auch der Schreiber dieser Zeilen auf zwei freundliche Herren, welche ihm einen Handzettel übergaben, worauf sich eine „Pro Fans“ genannte Gruppe in gepflegten Worten (KI?) gegen die Namensrechts-Vergabe der Verlängerungen in der National League aussprachen. Der uns allen bestens bekannte Chronist (AZ-Medien / Watson, früher „Sport“, „Blick“, „20 Minuten online“) macht sich in seiner unnachahmlichen, bestens unterhaltenden Art und Weise über diese Fans lustig, stellt in einem überaus süffisanten Satz sogar deren Intelligenz in Frage. Seine Hauptkritik ist, dass die Fans mit ihren Aktionen sogar beste Werbung für den Zuckerwasser-Hersteller machen würden. Den Artikel des Chronisten findest du hier → Oh heilige Einfalt – wie Hockeyfans Werbung für Red Bull machen… Keine Angst: Du wirst beim Lesen bestens unterhalten und wirst verstehen, um was es dem Chronisten geht.

Hat der Chronist recht?

Die schönste, lustigste, prägnanteste und /oder unterhaltsamste Schreibweise sagt noch nichts über deren Wahrheitsgehalt oder Richtigkeit aus. Dies wird oft verwechselt. Nach dem Motto, wer so schön schreiben (oder auch reden) kann, muss damit zwangsläufig recht haben, werden ganze Völkerstämme verführt. Leider ist dies aber selbst bei den prägnantesten Texten längst nicht immer so. Wir sollten selbst die schönsten, lustigsten, prägnantesten und/oder unterhaltsamsten Texte sorgfältig auf den tatsächlichen Inhalt überprüfen. Zumindest wäre dies von unschätzbarem Vorteil.

Darüber, ob nun der Verein „Pro Fans“ oder der Chronist recht hat, sollen sich die Lesenden selbst eine Meinung bilden. Denn wie wir aus dem Manifest wie auch aus dem Text des Chronisten entnehmen, bestehen bereits da zwei Meinungen. Das Thema ist breit genug, damit auch noch weitere unterschiedliche Meinungen und Ansichten darin Platz haben. Der Schreiber wird sich hier nicht auslassen. Er sieht für beide Seiten Argumente.

Wie überbringt man eine Botschaft?

Ich bin mir nicht sicher, ob sich die InitiatorInnen dieser Aktion bewusst waren, dass sie damit Werbung für das Zuckerwasser und dessen Hersteller machen. Beste Werbung sogar. Denn darin hat der Chronist ohne jeden Zweifel recht. Aber gleich die Intelligenz dieser Leute in Frage stellen? Da würden sich bei mir die Nackenhaare stellen, wenn ich denn noch welche hätte. Das ist die klassische Missachtung der möglichen Hintergründe, die jemand für seine oder ihre Aktionen haben könnte. Das ist Einseitigkeit, verpackt in schöne Schreibweise. Das ist Übersehen von Inhalten und Motiven. Und das ist Eigenüberhöhung. Und zwar ungerechtfertigt.

Es ist nämlich überhaupt nicht auszuschliessen, dass sich die InitiatorInnen der Aktion und des Manifests der Werbewirkung durchaus bewusst gewesen sind, und sich trotzdem dazu entschlossen haben, genau dies zu tun. Weil es nämlich die einzige Art ist, ihr eigenes Anliegen wirksam zu platzieren. Man hat ein Beispiel, man nimmt dieses und benutzt es für die Aktion. Dafür, die eigene Meinung dazu unter die Leute zu bringen. Die Nebenwirkungen nimmt man dabei in Kauf.

Was ist verkehrt daran? Das darf man in einer Demokratie. Auch der Chronist darf dazu seine Meinung äussern. Das ist sein gutes Recht, wie es auch das Recht von uns allen ist – so auch von „Pro Fans“ – unsere Meinung zu den unterschiedlichsten Themen zu äussern. Das ist unsere Schweiz. Das gehört zu unserer Demokratie. Das sind wir!

Selbstverständlich dürfen wir auch die Intelligenz anderer Menschen in Frage stellen. Aber dann wäre es von Vorteil, wenn wir selbst etwas weiterdenken würden.

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