Schweizer Eishockey – National League:
Vorschau auf die Qualifikation 2025/26 (1. Teil)
Die Ferien sind längst vorbei. Mittlerweile ist auch der Fantiger zurück. Die 14 Klubs der National League befinden sich intensiv in der Vorbereitung auf die kommende Saison. Einige Kader haben sich ziemlich verändert. Zum Vorteil? Wir schauen genauer hin.
Bild: Peter Eggimann
In den ersten beiden Jahrzehnten dieses Jahrtausends schien es zeitweilig fast ein wenig langweilig zu werden. Immer wieder setzten sich in der Meisterschaft Klubs aus dem gleichen Trio durch: ZSC Lions, SCB, HC Davos! Von 2000 bis 2019 konnte lediglich der HC Lugano die Phalanx dieses Trios durchbrechen. In den Jahren 2002 und zuletzt 2006 gewannen die Südtessiner den Titel. Aber sonst? Je sechs Titel erspielten sich die «grossen Drei» unseres Eishockeys in dieser Zeit. Die brüderliche Aufteilung war also lediglich der «Störaktionen» aus Lugano ausgesetzt. Aber nur zu Beginn.
Im dritten Jahrzehnt hat sich das Ganze gewandelt. Zwar holten die letzten beiden Titel wiederum die ZSC Lions. Aber der Gegner im Playoff-Final hiess zwei Mal HC Lausanne. Davor gewann der HC Genf Servette neben der Meisterschaft auch gleich noch die Champions League, was übrigens in diesem Frühjahr auch den Zürchern gelang. Die beiden ersten Titel des Jahrzehnts sicherte sich der EV Zug. Von den ehemals «grossen Drei» ist derzeit nur noch einer richtig gross. Aus dem Welschland erwächst immer grössere Konkurrenz für die Deutschschweiz.
Die zwei Finalteilnahmen hintereinander zeigen eindrücklich: Der HC Lausanne will endlich seinen ersten Titel und damit gleichziehen mit dem grossen Rivalen Genf-Servette. Beide Klubs waren in diesem Sommer an der Transferfront sehr aktiv. Während es bei Lausanne um den letzten Schritt zum Titel geht, will Servette nach zwei enttäuschenden Saisons wieder dahin zurück, wo es im Frühjahr 2023 war. Der Dritte im Bunde ambitionierter welscher Teams ist der HC Fribourg-Gottéron. Auch in Freiburg wartet man noch auf den ersten Titel. Doch irgendetwas fehlt hier immer.
Und im Kanton Bern?
Doch der Fokus soll in unserem Kanton Bern und vor allem in Langnau bleiben. Die SCL Tigers haben seit der Corona-Pandemie einen bemerkenswerten Steigerungslauf hingelegt. Aus Spargründen in den ersten Jahren des Jahrzehnts noch weit abgeschlagen und wohl nur deshalb in der Liga geblieben, weil es keinen Absteiger gab, kämpften sie sich danach Schritt für Schritt in Richtung Mittelfeld. Doch nun müssen sie aufpassen. Auf die neue Saison hin haben sie einiges an Potenzial verloren. Die Abgänge konnten nicht vollständig kompensiert werden. Es müssen im Emmental nicht jedes Jahr die Playoffs sein. Aber wenn bereits vor der Saison erhebliche Zweifel bestehen, ob es denn reichen könnte, ist dies nicht gut. Trotzdem: Die SCL Tigers sind gut geführt. Das beginnt beim Verwaltungsrat, setzt sich beim Geschäftsführer fort und auch die sportliche Führung (Sportchef, Coaches) sind top. Gerade auf der sportlichen Ebene gelingt es den Langnauern in den letzten Jahren immer wieder, aus den vorhandenen Ressourcen ein Optimum herauszuholen.
Wenn wir einen Blick nach Bern werfen, stellen wir fest, dass der SC Bern seit seinem letzten Titelgewinn 2019 viel an Renommee eingebüsst hat. Die Probleme, die sich die Mutzen selbst eingehandelt haben, lassen sich auf eine zentrale Position festlegen: Auf die des Sportchefs (oder auch mal der Sportchefin). Seit dem Abgang von Sven Leuenberger, dem Architekten der letzten drei Meistermannschaften, zu den ZSC Lions, gelang es CEO Marc Lüthi über Jahre nicht mehr, diese Position adäquat zu besetzen. Alex Chatelain profitierte zwar noch von den Dispositionen Leuenbergers, stand aber trotzdem schnell mal in der Kritik. Dann folgte das Marketing-Experiment mit Florence Schelling. Die ehemalige Nationaltorhüterin hat eine einzigartige sportliche Karriere hingelegt und ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Aber als Frau beim SC Bern reichte eben der Support des CEO nicht aus, um der Sportabteilung dieses Macho-Klubs vorzustehen. Zudem schienen ihr die ebenso hilfreichen wie auch notwendigen Verbindungen weitgehend gefehlt zu haben. Inzwischen beschäftigt der SC Bern mehrere Sportchefs. Mit immer noch überschaubarem Erfolg.
Einen guten Sportchef hat der EHC Biel. Martin Steinegger musste jedoch in der letzten Saison seine erste Mannschaft verjüngen. So langsam dürfte dieser Prozess nun in Richtung Abschluss kommen. Noch ist der Klub noch nicht wieder da, wo man ihn im Seeland sehen möchte. Trotz starker Torhüterleistungen reichte es dem EHCB zuletzt nicht in die Playoffs. Doch wie die SCL Tigers ist auch der EHC Biel ein hervorragend geführter Klub, sogar mit dem Potenzial, mittel- und langfristig im vorderen Mittelfeld mitzuspielen. 2023 ging es sogar temporär in Richtung Spitze. Playoff-Finalgegner beim Titelgewinn von Servette war nämlich der EHC Biel.
Klub für Klub
SCL Tigers:
Die Langnauer mussten über den Sommer Federn lassen. Mit Torhüter Stéphane Charlin und Verteidiger Vili Saarijärvi verliessen zwei der wichtigsten Akteure die Mannschaft in Richtung Genf. Auch der Abgang von Brian Zanetti schmerzt. Der Ersatz für Charlin kommt vom EHC Visp und heisst Robin Meyer. Kann und wird er Luca Boltshauser herausfordern? Soll er dies überhaupt? So lange Boltshauser die unbestrittene Nr. 1 im Langnauer Tor war, hat er gute Leistungen gezeigt. Aber just in dem Moment, als der junge Charlin zum Überholen angesetzt hat, zeigte Boltshauser Nerven. Die letzte Saison war lange Zeit nicht seine. Aber ausgerechnet als sich Charlin verletzte, es auf Boltshauer ankam und er keine Konkurrenz zu fürchten hatte, lief er zu Hochform auf. Zu vermuten ist allerdings, dass Robin Meyer nicht nur nach Langnau kommt, um das Bandentürchen zu öffnen und zu schliessen. Während der Abgang von Saarijärvi mit dem Zuzug des Finnen Santtu Kinnunen hoffentlich kompensiert werden konnte, ist für Brian Zanetti noch kein Ersatz herbeigeeilt. Die Abgänge von Sean Mallone, den viele in Langnau gerne weiter beschäftigt gesehen hätten und des überraschend ins Militär berufenen Topscorers Alexi Saarela wurden mit den Engagements des Finnen Hannes Björninen und des Schweden André Petersson recht gut aufgefangen und gerade Björninen hat in den Testspielen gezeigt, dass er eine Verstärkung sein kann. Gelingt es Sportchef Pascal Müller, wie angekündigt rechtzeitig vor Beginn der Saison Ersatz für den derzeit verletzten Petersson und den zusätzlichen erfahrenen Verteidiger zu holen? Gerade in der Defensive sind die Langnauer extrem schmal aufgestellt.
Wichtigste Zuzüge: Torhüter: Robin Meyer (Visp). Verteidiger: Santtu Kinnunen (ZSC Lions). Stürmer: Hannes Björninen (Örebro), André Petersson (Vätterstad), Jérôme Bachofner (Biel), Matteo Wagner (AIK Ishockey J20)
Wichtigste Abgänge: Torhüter: Stéphane Charlin (Genf). Verteidiger: Vili Saarijärvi (Genf), Brian Zanetti (Lugano), Claudio Cadonau (Rücktritt). Stürmer: Aleksi Saarela (Miltär, danach Turun), Sean Mallone (Örebro), Michal Kristof (offen), Pascal Berger (Rücktritt).
SC Bern
Die Strategie des SC Bern so richtig zu begreifen ist schwierig. Vier Torhüter sind gelistet, Adam Reideborn ist als Ausländer vorerst gesetzt. Doch der 33-jährige Schwede genügte letzte Saison den Ansprüchen nicht. Auch den drei andern traut niemand so richtig zu, den SCB endlich wieder mal zu einer Meisterschaft zu hexen, wobei der von Kloten gekommene Sandro Zurkirchen zuletzt eine richtig gute Saison abgeliefert hat. Trotzdem: folgt schon bald Torhüter Nr. 5? Vorerst haben die Berner noch andere Pläne. Dafür sind inzwischen acht Ausländer gelistet. Trotzdem ist nicht klar, ob der Verlust des zum HC Lausanne abgewanderten letztjährigen Ligatopscorer Austin Szarnik kompensieren werden konnte.
Wichtigste Zuzüge:
Torhüter: Sandro Zurkirchen (Kloten), Christof von Burg (Winterthur). Verteidiger: Alexander Jakovenko (Biel). Stürmer: Marco Müller (Lugano), Mats Alge (Rapperswil), Emil Bemström (Pittsburgh.
Wichtigste Abänge: Torhüter: Philip Wüthrich (Ambri). Patrick Nemeth (Gottéron), Lukas Klok (Kloten). Stürmer: Austin Szarnik (Lausanne), Thierry Bader (ZSC Lions).
EHC Biel
Beim EHC Biel müssen wir vor allem die Wechsel bei den Ausländern beachten, denn wichtige Abgänge bei den Schweizer Lizenzen gab es nicht. Drei Ausländer (Alexander Yakovenko, Aleksi Heponiemi, Anthony Greco) sind gegangen, vier Neue sind gekommen (Linus Hultström, Oskari Laaksonen, Marcus Silvegard, Petr, Cajka). Sportchef Martin Steinegger hat bei den Ausländern nicht immer, aber oft ein gutes Händchen. Erneut wird vieles von Torhüter Harri Sätäri abhängen. Der Finne war bisher als sicherer und äusserst starker Rückhalt extrem wichtig für die Mannschaft, nimmt aber eine Ausländerposition ein und konnte zudem in der letzten Spielzeit nicht dafür sorgen, dass der EHC Biel die Playoffs erreicht.
Wichtigste Zuzüge: Verteidiger: Linus Hultström (Linköping), Oskari Laaksonen (Luleå). Stürmer: Marcus Silvegård (Växjö), Petr Caika (Mlada), Léo Braillard (Lethbridge).
Wichtigste Abgänge: Verteidiger: Alexander Yakovenko (SCB), Aleksi Heponiemi (Vätterstad), Anthony Greco (offen), Jèrôme Bachofner (SCL Tigers), Ramon Tanner (Lugano).
ZSC Lions
Es spielt eigentlich keine Rolle, wer die ZSC Lions verlässt. Sogar Spieler, die bei den Zürchern kaum Eiszeit erhalten, spielen anderswo in der ersten Linie. Das Kader der Löwen ist so tief und so breit, dass sie selbstredend zu den meistgenannten Favoriten für den Titel zählen. Auch in dieser Saison ist der Meister der letzten beiden Saisons wieder die Mannschaft, an welcher man erst vorbeikommen muss.
Wichtigste Zuzüge: Stürmer: Andy Andreoff (Sibir Novosibirsk), Thierry Bader (SCB).
Wichtigste Abgänge: Verteidiger: Santtu Kinnunen (SCL Tigers). Stürmer: Juho Lammikko (New Jersey), Vinzenz Rohrer (Montreal), Yannick Zehnder (Lausanne), Marlon Graf (Rapperswil).
EHC Kloten
Was hat uns der EHC Kloten in der letzten Saison überrascht. Diese Performance und Quali-Rang 7 hätte ihnen vor der Saison niemand zugetraut. Trotzdem mussten diesen Sommer sechs Ausländer gehen. Fünf neue kommen hinzu. Wir dürfen gespannt sein, was Coach Lauri Marjamäki diesmal aus dem Hut zaubert.
Wichtigste Zuzüge: Torhüter: Davide Fadani (Ambri), Ewan Huet (Regina Pats). Verteidiger: Lukas Klok (SCB), Max Lindroth (Turun Palloseura), Noah Delémont (Gottéron), Leandro Hausheer (Lugano). Stürmer: Robert Leino (Örebro), Petteri Puhakka (Tappara Tampere), Brandon Gignac (Laval Rockets).
Wichtigste Abgänge: Torhüter: Sandro Zurkirchen (SCB). Verteidiger: Sami Niku (Lausanne), Thomas Grégoire (Sevesrstal Cherepovets), Rajan Sataric (offen), Matthew Kellenberger (offen). Stürmer: Daniel Audette (Rytíři Kladno), Niko Ojamäki (Rytíři Kladno), Jayce Hawryluk (Zvolen), Pontus Åberg (offen), Joel Marchon (Visp).
Den zweiten Teil dieser Vorschau findest du morgen auf diesem Portal.
