Start in die Meisterschaft mit dem letzten Rang „gekrönt“

Wie es so weit kommen konnte

Das happige Startprogramm darf zumindest ein wenig als Erklärung dienen. Doch längst nicht als einzige. 16 Gegentore in nur vier Spielen sind zu viel. Es gilt, vor allem die Fehler abzustellen und die defensiven Pflichten nicht zu vernachlässigen. Daran muss gearbeitet werden.

Blog • • von Bruno Wüthrich

Hätte Jérome Bachofner diese Riesenchance in der 12. Minute nutzen können (ein Big Save von Lausannes Hüter Kévin Pasche hat dies verhindert), hätte das Spiel zwischen den SCL Tigers und dem LHC einen anderen Verlauf gehabt und es wäre wäre möglicherweise ein ganz anderes Resultat herausgekommen. Die Fernsehbilder beweisen nicht, ob der Puck hinter der Linie war, aber die Polition des Fanghandschuhs (hier nicht sichtbar) zeigt, dass es wohl ein Tor gewesen wäre. Bild: Bruno Wüthrich (vom Fernseher abfotografiert).

Hätte jemand gesagt, die SCL Tigers lägen nach vier Spielen lediglich einen Rang hinter dem Qualisieger der letzten Saison, hätte wohl jeder unterschrieben. Nicht ahnend, dass dann der grosse HCD lediglich vom zweitletzten Rang grüsst. Nun ist es also exakt so gekommen. Langnau liegt in der Rangliste direkt hinter dem Rekordmeister.

Da kann man ohne Wenn und Aber von einem miserablen Start sprechen. Denn auf Rang 14 will niemand freiwillig. Nicht einmal nach dem ersten Spiel der Saison. Und schon gar nicht nach dem vierten.

Drei Niederlagen ohne Punktgewinn und ein Sieg nach Verlängerung sind bisher die Ausbeute. Zu wenig. Und trotzdem müssen wir etwas relativieren. Denn richtig versagt haben die Emmentaler nur gegen Lausanne. Also gestern Abend. Da war vor allem das Mitteldrittel unterirdisch. Da wurde die Niederlage besiegelt. Notabene gegen einen HC Lausanne, der zu den Titelfavoriten gezählt wurde und wohl nachwievor zählen wird, aber mit lediglich einem Punkt aus den ersten drei Spielen endlich liefern musste. 

Wenn wir die Situation etwas analysieren, stellen wir folgendes fest.

  1. Es ist an Naivität und Dummheit fast nicht zu überbieten, wenn man die Niederlagen aus der letzten Saison mit denen aus dieser Spielzeit zusammenrechnet, damit man eine Krise konstruieren kann. Die letzte Saison zählt nicht mehr. Sie ist abgehakt. Die SCL Tigers spielten sehr passable Testspiele. Sie waren bereit für die neue Saison. Sie hatten aber mit dem HCD und den ZSC Lions zwei überaus happige Testspiele. Das dritte Spiel, bei dem dann wahrlich keine Ausreden gelten konnten, gewannen die Tiger beim EHC Biel. Ein einziges schlechtes Spiel (Lausanne) macht noch keine Krise. In der aktuellen Saison steht auch noch keine Niederlagenserie zubuche.                                                 
  2. Nicht hilfreich waren die Leistungen der beiden Torhüter. Robin Meyer kam bisher drei Mal zum Einsatz, spielte auswärts in Biel stark (deshalb auch der Sieg), kassierte jedoch sowohl in Davos als auch im Heimspiel gegen den HC Lugano jeweils das haltbare 0:1. Gegen den HCL agierte er auch sonst nicht immer überzeugend. Auch die Fangquote von Luca Boltshauser gegen die ZSC Lions (89,47%) reichte nicht ganz zum Punktgewinn. Ihn aber nach nur einer Partie schon beurteilen zu wollen, ist nun wirklich zu früh, zumal seine Leistung gegen die Zürcher passabel war. In der Tat müssen sich aber die Torhüter steigern, sonst wird es für die SCL Tigers keine gute Saison.                                           
  3. Wie sieht es aber mit den Ausländern aus? Weil Tigers Topscorer mit seinen vier Assists erst relativ weit hinten in der Skorertabelle auftaucht, vermutete ich, dass die Imports der Emmentaler möglicherweise kollektiv enttäuschen. Aber dies ist – wenn überhaupt – höchstens auf recht hohem Niveau der Fall. Denn rechnet man bei allen Teams der National League die Skorerpunkte der Ausländer zusammen, so erscheinen die vier Finnen und drei Schweden der Langnauer hinter den Imports von Ajoie (23 P), EVZ (20), Kloten (19) und Ambri (19) mit ihren 17 Skorerpunkten bereits auf Rang 5 aller Klubs. Das ist ja gar nicht mal so schlecht, dachte ich mir. An den Imports kann es nicht liegen. Doch dann bequemte ich mich doch noch, auch noch die +/- Statistiken anzuschauen. Und da sieht es etwas anders aus. Die Skalen reichen von +18 (EVZ) bis -10 (Rappi). Bei 11 der 14 Klubs weisen die Ausländer eine positive Bilanz aus. Mit -8 liegen die Ausländer der SCL Tigers auf dem nicht gerade vornehmen vorletzten Platz und gehören damit zu den lediglich drei Teams mit einer negativen Bilanz. Will heissen: Emil Pettersson (-4), Jonathan Dahlén (-3), Saku Maenalanen (ausgeglichen), Hannes Björninen (ausgeglichen), Santtu Kinnunen (+1), Juuso Riikola (-2) und André Petersson (ausgeglichen) stehen zusammengezählt bei mehr Gegentoren auf dem Eis, als sie Punkte sammeln. Übrigens: die Imports des HC Ajoie können nicht nur Punkte sammeln, sie können auch positive Bilanz.                                                                                    
  4. Es macht sich offenbar stärker als erwartet bemerkbar, dass die beiden Abgänge Dario Rohrbach (aktuell Topskorer beim SC Bern) und Jiri Felcman (Nordamerika) doch stärker gewichten, als ursprünglich gedacht. Die Beiden fehlen ganz offensichtlich.

Die Frage ist nun, was zu tun ist. Vor allem, weil mit dem EV Zug gleich der nächste formstarke Gegner wartet. Hier kann ich nur meine nachwievor unqualifizierte Sichtweise zum Besten geben. Auch die Mannschaft muss sowohl den Start in diese Meisterschaft wie auch den momentanen letzten Rang differenziert sehen. Und sie darf sich ob den Niederlagen gegen zum Teil sehr starke Gegner (gegen Davos und die ZSC Lions leisteten sie sehr starken Widerstand und waren in beiden Spielen bis kurz vor Schluss voll im Spiel und mit Chancen auf den Punktgewinn) ihr Mentalität nicht verlieren. Und vermutlich werden die Torhüterleistungen am ehesten mit einem etwas defensiveren System wieder besser. Ähnliches gilt auch für die Ausländer. Sie werden an ihrer Defensive arbeiten müssen. Dies am liebsten ohne Einbussen beim Skoren. Zudem wäre es  gut, wenn der eine oder andere Spieler mit Schweizer Lizenz etwas mehr aus dem Schatten treten würde. Immerhin sind Leute wie Dario Rohrbach und Jiri Felcman zu ersetzen.